top of page

Wenn Trauer zur Führungskrise wird

  • 18. Aug. 2023
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Apr.



Ein Betrieb verliert seine besten Menschen. Die Zahlen stimmen nicht mehr. Alle suchen den Fehler im System. Dabei sitzt er woanders.

Die Zahlen stimmten nicht mehr.

Die Fluktuation war überdurchschnittlich hoch, Krankenstände häuften sich, Kündigungen kamen von heute auf morgen – ohne Vorwarnung, ohne Erklärung. Von außen sah es aus wie ein klassisches Führungsproblem.

Es war keines. Es war ein menschliches.

Was wirklich passiert war

Der Unternehmer hatte seine Frau verloren. Nach einer schweren Erkrankung, viel zu früh. Mit ihr hatte er nicht nur seinen liebsten Menschen verloren, sondern auch sein wichtigstes Korrektiv. Die Person, die ihm sagte, wenn er zu harsch war. Zu direkt. Zu wenig zugänglich.

Ohne sie merkte er nicht mehr, wie er wirkte.

Seine Reaktion war die, die viele wählen, wenn der Schmerz unerträglich wird: Er stürzte sich in die Arbeit. Hielt Familie auf Abstand. Langjährige Wegbegleiter wurden ferngehalten. Über Gefühle sprach er nicht.

Was er nach außen zeigte, war Härte. Was dahinter war, war Trauer, die nirgendwo hinkonnte.

Die Mitarbeitenden spürten es. Sie wussten nur nicht, was sie damit anfangen sollten. Also gingen sie.

Trauer kennt keine Bürozeiten

Was dieser Unternehmer übersehen hatte: Trauer lässt sich nicht verdrängen. Sie verschwindet nicht, weil man beschäftigt ist. Sie sucht sich einen Weg, und findet ihn meistens dort, wo man am wenigsten damit rechnet. Im Tonfall. In der Geduld. In der Fähigkeit, Menschen zu sehen.

Trauer hat Phasen: Verleugnung, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz. Nicht jeder durchläuft sie in dieser Reihenfolge. Nicht jeder erkennt, in welcher Phase er gerade steckt. Dieser Unternehmer war im Zorn hängengeblieben. Und in der Depression. Und er wusste es nicht.

Was seine Mitarbeitenden als Aggression erlebten, war Schmerz. Was sie als Desinteresse interpretierten, war Erschöpfung. Was sie als schlechte Führung beurteilten, war ein Mensch, der nicht gelernt hatte zu trauern.

Was half

Es war die Tochter, die den ersten Schritt machte. Beharrlich, liebevoll, klar.

In den darauffolgenden Coaching Gesprächen wurde dem Unternehmer bewusst, wo er feststeckte. Und was das mit den Menschen um ihn herum machte.

Gemeinsam stellten wir einen Notfallkoffer zusammen. Kein therapeutisches Programm, sondern ein praktisches Werkzeug für schwere Tage. Gefühle zulassen statt wegzuschieben. Über den Schmerz sprechen, auch wenn es schwerfällt. Grenzen setzen, nach innen und nach außen. Auf den Körper achten. Kleine Ziele, die durch den Tag tragen. Und die Bereitschaft, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn es alleine nicht mehr geht.

Keine großen Gesten. Kleine, beharrliche Schritte.

Was das mit Führung zu tun hat

Alles.

Führung ist keine Rolle, die man anzieht, wenn man das Büro betritt. Sie ist eine Haltung, und die kommt von innen. Wer innerlich kämpft, führt anders. Wer nicht trauert, trauert trotzdem, nur auf Kosten der anderen.

In einem Familienunternehmen ist das besonders spürbar. Weil die Grenzen zwischen Mensch und Führungskraft, zwischen Privatem und Professionellem, ohnehin schon durchlässig sind. Weil alle alles mitbekommen. Weil nichts wirklich verborgen bleibt.

Die wichtigste Erkenntnis aus dieser Geschichte ist nicht, wie man Trauer managt. Sondern dass man sie zulassen muss, auch als Unternehmer. Gerade als Unternehmer.

Trauer ist keine Schwäche. Sie ist der Beweis, dass etwas wichtig war.



 
 
 

1 Kommentar


Tai Kubk
Tai Kubk
10. März
Gefällt mir

Abonniere meinen monatlichen Newsletter zum Thema Trends Hotel

Danke für's Abonnieren!  Keine Sorge, wir spamen dich nicht voll, sondern 1x pro Monat erhältst du einen "Deep Dive" in ein Führungstool. Kann jederzeit wieder abgemeldet werden. Viel Freude!

Altenberger & Partner

Gardis 26

A-6811 Göfis 

+43 664 2609450

  • LinkedIn
  • Instagram
bottom of page